Beschreibung des Projektes

Jede unserer Entscheidungen beeinflusst unsere Zukunft und ist ständigen Wandlungen unterworfen. Nichts steht still, stattdessen bewegen wir uns mit unseren Gedanken und Handlungen wie in einen Sog aus Ereignissen und Imaginationen, die sich unaufhörlich manifestieren und transformieren - ein steter Fluss ohne Stillstand.

Jede unserer Bewegungen hinterläßt ebenso Spuren in ihrem energetischem Umfeld: Muster, die wir nicht sehen, aber erspüren. Unsere Körper sind zusammengefügt aus Millionen, sich in ständigem Wandel befindlicher Energiepartikel. Diese beeinflussen ihr Umfeld und formieren es neu. Der verborgene Tanz dieser Kräfte im negativen Raum ist eine Art eigene Parallelwelt. Mit Hilfe moderner XR- und Medien-Technologie machen wir diese im Rahmen der Tanzperformance “Traces” sichtbar.

“Traces” befasst sich mit den “Leerstellen” in unserer Wahrnehmung. 
 Dem Bereich, der keine feste, sichtbare Materie ist, der jedoch künstlerisch darstellbar ist. In der menschlichen Bewegung steckt eine Menge unsichtbarer Information und tiefgreifende Kräfte wirken unter der “offensichtlichen” Oberfläche. Mit “Traces” werden derartige Kräfte freigelegt und jenseits physikalischer Beschränkungen in digitale Bilder übertragen. Die interaktive Performance enthüllt eine Struktur im negativen Raum, die wir durch digitale Tools vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein rücken.


Aus den Bewegungen einer Tänzerin entstehen digitale Abbilder/Avatare, die die Energie der Abläufe über Projektionen in den amorphen Raum tragen. Energiepartikel lassen Formen und “Bilder” entstehen, die sich zusammenfügen, auflösen, um dann wieder an anderer Stelle in eine neue Form zu fließen. Alles ist Schwingung und in einem sich ständig wandelnden Fluß, der Darstellerin und Betrachter *innen gleichermaßen umgibt.


Die Verbindung von Tanz, Technologie und immersiver Umgebung baut sich durch den Einsatz von MotionCapture- und damit verbundener Realtime-Technologie nahtlos auf. Durch eine präzise, zuvor ausgearbeitete Choreographie generiert die Tänzerin im Zusammenspiel mit einer eigens komponierten Soundscape eine Dramaturgie mit ruhigen Passagen als auch visuell starken Höhepunkten. So entsteht eine visuelle Komposition, bei der Partikel auf den umgebenden Wänden digital in Erscheinung treten - eine Art verbündete Kraft in der Metaebene.


Bei dem Projekt handelt es sich um die Entwicklung eines technischen Dispositivs aus 
 Soft-und Hardware-Komponenten, mit dem eine immersive, interaktive und bewegungs-gesteuerte 3D-Tanzperformance ermöglicht wird. Mittels 3 Projektoren und einem immersiven Klangfeld soll das Dispositiv von Bühne und Zuschauerraum aufgehoben werden und ein sich ständig verändernder Raum entstehen.


Der für uns unsichtbare Negativraum wird zu einem visuell erfassbaren Kraftfeld, das durch den künstlerischen Einsatz von Game Engine-Tools und Partikelsystemen zum ästhetischen Erlebnis wird. Durch die Bandbreite der digitalen Technik werden Grenzen der Realität aufgelöst und eine neue virtuelle Szenerie für die Disziplin Tanz + Theater geschaffen.

Im Bühnenraum gibt es somit eine inhärente Kohärenz zwischen Tänzerin und Umraum und gleichzeitig wird das Publikum von dieser visuellen Energie umgeben. Das Publikum befindet sich nahe der Tänzerin (ohne Bestuhlung etwa vor einer Bühne) und kann den Raum - im eigenen, gewünschten Tempo - durchschreiten und darin verweilen.

Der Prozess der Auflösung von Grenzen, der das digitale Konzept von “Traces” prägt, gilt auch für die Art der Präsentation, in der Publikum Teil des Ganzen wird und es sich in die Inszenierung tatsächlich hineinbegeben kann.


Mit “Tracing the Negative Space” wurde 2021 durch Unterstützung des FilmFernsehFonds Bayern (FFF) ein XR-Prototyp geschaffen, der Tanz durch digitale Technologie zu einem immersiven Erlebnis erweitert. Die technischen Prinzipien für das Stück wurden somit bereits erarbeitet und getestet, jedoch lediglich intern vor einer Jury des FFF präsentiert.